Bergbaugeschichte im Südharz

Anno Kurzer historischer Abriß zur Steinkohlegewinnung zwischen Sülzhayn und Rothesütte
An diesem Tag wurde ein Kapitel Südharzer Bergbaugeschichte für immer geschlossen.

"Glück Auf" Sülzhayn im Februar 1999 Reinhard Kersting

Quelle :

  • Akten des Bergrevieres Nordhausen im Landesarchiv Magdeburg, Außenstelle Wernigerode. Rep. F83 Nr.186, Nr. 187, Nr.188
  • "Beitrag zur Geologie des Steinkohlegebietes im Südharz" Dr. Willi Scharf, Halle an der Saale 1924
  • "Das Steinkohlevorkommen von Ilfeld am Südharz" Dr. J. Weigelt Halle a.d. Saale 1921
  • "Der Östliche Harzmineralogisch und bergmännisch betrachtet" Bergrat J.C.L. Zinken Braunschweig 1825
1645 Genehmigung zum Aufsuchen von Steinkohle am Ehrenberg, am Dostborn und im Kunzetal durch den Grafen zu Stolberg - Wernigerode
1698 Genehmigung wird erneuert durch den Grafen zu Stolberg - Wernigerode
1740 Gewinnung von Kohle im Kunzetal durch Schächte und Stollen. Gewerke ist der Graf zu Stolberg - Wernigerode.
1744 Der Braunschweigische Bergmeister Röder aus Zorge läßt im Kunzetal einen Stollen auf Steinkohle treiben, aber ohne Erfolg.
1825 Alle Stollen und Schächte sind auflässig und verbrochen.
1850 Betrieb auf dem Graf Botho Schacht. Der Graf Botho Schacht ist ein Schrägschacht der dem Flöz mit einem Einfallen von 20° nach Süden folgt.Bei einer Teufe von 24 Metern wurde eine Verwerfung angefahren die das Flöz in damalz unbekannte Teufe verwarf.
1854 Abteufen eines saigiren Schachtes etwa 30 Meter südlich des alten Schachtes. Das Flöz wurde bei einer Teufe von 54 Metern erreicht . Es hat hier nur noch ein Einfallen von 10° nach Süden. Die Entteufe des Botho- Schachtes betrug etwa 80 Meter.
1856 Inbetriebnahme des Graf Botho - Schachtes.
1862 Beginn der Auffahrung des gräflichen Stolberg-, Wernigerödischen Anna Stollens mit einer Gesamtlänge von ca. 970 Meter. Das Kohleflöz wurde bereits bei einer Stollenlänge von 183 Metern und einem Einfallen von 7° nach Westen getroffen.
1866 Abteufen des Karl Martin Schachtes im neu gemuteten Sülzhayner Steinkohlenbergwerkes. Die Teufe betrug 42,5 Meter. Da der Karl Martin Schacht wegen starker Wasserzuflüsse eingestellt werden mußte, entschied sich die Gewerkschaft zur Anlage jeweils eines Stollens zur Wasserlösung und zur Förderung.
1868 Der König - Wilhelm Stollen erreicht bei 740 Meter Länge den Karl - Martin Schacht. Dieser diente nun als Wetterschacht. Die Kosten der Auffahrung des Stollens betrugen 12047 Taler und 22 1/2 Groschen.
1869 Einstellung des Graf Botho - Schachtes wegen Erschöpfung der Kohlevorräte.
1890 Am 28.09.1890 wurde im Anna Stollen alte Abbaue des Graf Botho Schachtes angefahren. Es kam zu einem sehr schweren Wassereinbruch. 13 Bergleute waren 2 Tage lang eingeschlossen. Am 2. Tag konnten sich die Bergleute dank der Kenntnis eines alten Bergmannes über den Graf Botho Schacht (Schrägschacht) retten. Die Hildesheimer Zeitung berichtete, das die Zorge bis hinter Nordhausen stark verschmutzt wurde und die hiesige Fischzucht nachhaltig geschädigt wurde.
1894 Im Juli 1894 wurde der Betrieb des Anna Stollen eingestellt. Alle Arbeiter wurden in die gräflich,- Stolberg,- Wernigeröder Steinbrüche übernommen.
1895 Zusammenbruch des Karl Martin Schachtes dadurch entstanden akute Wetterprobleme im Sülzhayner Steinkohlebergwerkes.
1896 Da der Hamburger Kaufmann und Geldgeber J.M.Laski im Jahre 1894 mit seiner ganzen Familie auf See tödlich verunglückte und die Bewetterungsprobleme sehr groß waren kam es zur Einstellung des Sülzhayner Steinkohlebergwerkes.
1920 Beginn der Aufwältung des König Wilhelm Stollens durch die Firma Giebeler und Söhne aus Siegen.
1921 Nach der Instandsetzung des König Wilhelm Stollens und des anschließenden Querschlages wurde unweit des Karl Martin Schachtes ein Bohrloch von Hand bis zu einer Teufe von 33 Meter niedergebracht. Auf diesem Bohrloch wurde der Wetterschacht abgeteuft. Dieser ist über eine 12 Meter lange südliche Strecke mit dem am Ende des König Wilhelm Stollen befindlichen Überbrechen verbunden. Mit einer Belegschaft von 30 Mann wurden 1921 1164Tonne Kohle gefördert. der Absatz betrug 582 Tonnen Steinkohle.
1923 Fertigstelllung der Baderäume für Beamte und Arbeiter, des Magazins, sowie eines Sanitätsraumes. Außerdem wurde das Zechenhaus fertiggestellt und vom Steiger bezogen. zusätzlich wurde ein 100PS starker Glühkopfmotor zum Betrieb des neuen Kompressors angeschafft, da wegen Druckluftmangels nicht alle Bohrhämmer betrieben werden konnten.
1924 Ständige Verschlechterung der Absatzlage, sowie Abnahme der abbauwürdigen Kohle durch ungünstige geologische Verhältnisse.
1925 Am 30.06.1925 stellte die Mitteldeutsche Steinkohlenbergwerk Aktiengesellschaft Südharz den Betrieb auf dem König Wilhelm Stollenein. Alle Maschinen und Ausrüstungen wurden versteigert.

Steinkohlenbergbau nördlich von Sülzhayn

Lagerstätte

Das betreffende Steinkohlen Vorkommen stellt das westlichste Vorkommen der Südharzer Steinkohle dar, welches in Abbau gekommen ist. Die Kohle wird stratigraphisch in das untere Rotliegende (Autun) gestellt und gehört somit der Formation des Perm an und ist die zweite Stufe des Südharzer Rotliegenden . Nach neuen Untersuchungen an darüber liegenden vulkanischen Gesteinen, bei denen ein von alter mit ca. 290 Mio. Jahren festgestellt wurde, ist auch das Alter der Kohle gut zu schätzen. Die Kohlen wurden in einer Gebirgssenke gebildet, woraus auch der hohe Anteil an tauben Mitteln im Flöz herrührt. Das Steinkohlenflöz im Südharz ist durch jüngere tektonische Ereignisse in viele einzelne Schollen zerbrochen wurden und nach Süden staffelförmig in die Tiefe versetzt wurden. Es wurden, Sprunghöhen bis 30m beobachtet, diese Tatsache hat den Bergbau sehr erschwert und verteuert. Das Südharzer Kohlenflöz weist in der Regel eine drei Teilung in Dachkohle, Mittelkohle und in Bankkohle auf, nur die Kohle im Sülzhayner Steinkohlenbergwerk ist nicht drei geteilt. Das Flöz hat eine max. Mächtigkeit bis zu 3m.( mit Zwischenmittel) Kohlengeologisch handelt es sich bei den Steinkohlen aus dem Südharz um vitrinitische bis duritische Matt- und Glanzkohle mit hohen Ascheanteilen.

Die Zusammensetzung der Kohle :

  • Aschengehalt : 19,41%
  • Wassergehalt : 0,75%
  • Brennbare Substanz : 79,84%

Der durchschnittliche Brennwert beträgt 6621cal auf das Gramm. Diese Faktoren brachten der Südharzer Steinkohle den Namen " Feuerfeste Kohle aus Ilfeld" ein.

Die Gruben am Ehrenberg, Kunzental und Tosborn

Die Gruben am Ehrenberg, im Kunzental und am Tostborn sind wohl die ältesten Steinkohlengruben am Südharz überhaubt. Nach Aktennotizen lagbereits 1645 eine Genehmigung der Grafen zu Stolberg-Wernigerode zum Aufsuchen von kohlen in diesem Raum vor.

Schachtpinge aus dem 18.Jhd

Abb.001 Schachtpinge aus dem 18.Jhd

Aus dem Jahre 1698 findet sich eine Erneute Genehmigung der Grafen von Stolberg- Wernigerode. Um 1740 waren die Grafen von Stolberg-Wernigerode Gewerke des Steinkohlen Abbaus im Kunzental.Die Kohle wurden zunächst aus dem oberen Kunzentaler Stollen und aus Kleinen Schächten gefördert. Da das Flöz hier mit ca. 10° nach Süd einfällt, wurde später der tiefe Kunzentaler Stollen angelegt.

Verbrochenes Mundloch des Oberen Kunzentaler Stollen

Abb.002 Verbrochenes Mundloch des Oberen Kunzentaler Stollen

Im Jahre 1744 versuchte man, unter dem braunschweigischem Bergmeister Röder aus Zorge, auf der braunschweigischen Seite des Kunzentals auf Steinkohle zu schürfen, da an der Westseite des Kunzentals aber bereits die devonische Grauwacke des Südharzes ansteht ohne jede Aussicht auf Erfolg. Zinken beschrieb um 1825 alle Schächte und Stollen als auflässig und verbrochen.

Schachtdeckel des Botho Schachtes (saiger)

Abb.003 Schachtdeckel des Botho Schachtes (saiger)

Um das Jahr 1850 wird durch die Grafen von Stolberg - Wernigerode mit der Abteufung des tonnlägigen Bothoschachtes begonnen. Dieser Schacht folgt dem Einfallen des Flözes von 20° nach Süden. Bei einer teufe von 24 m traf man auf eine streichende Verwerfung die mit 55° einfiel und das Flöz in unbekannte teufe verwarf. Man entschloss sich daraufhin, etwa 40 Meter weiter südlich einen neuen Schacht zu teufen.

Halde des Botho Schachtes

Abb.004 Halde des Botho Schachtes

Der neue Bothoschacht wurde als Saigerschacht angelegt und erreichte das Flöz bei einer Teufe von 54 Meter, das bedeutet, dass das Flöz durch die Verwerfung um ca. 30 Meter in die Tiefe versetzt wurde. Diese Verwerfung hat die größte Sprunghöhe die im Südharzer Steinkohlenbergbau beschrieben wurde. Nach der Verwerfung fällt das Flöz nur noch mit 10° nach Süden ein. Das Flöz im Kunzental war etwa 1,21m mächtig, davon waren 64 cm Kohle.

Schachtpinge des Botho Schachtes ( tonnlägig)

Abb.005 Schachtpinge des Botho Schachtes (tonnlägig)

Gegen Ende der fünfziger Jahre des 19.Jahrhunderts kam es zur Erschöpfung der Kohlevorräte im Kunzental und die Wasserhaltung wurde immer schwieriger. Deshalb wurde ein Projekt, das schon seit 1839 geplant war, in Angriff genommen, der "ANNA STOLLEN".

Der Anna Stollen

Mundloch des Anna Stollen

Abb.006 Mundloch des Anna Stollen

Das Mundloch des Anna Stollen befindet sich etwa 1200m vom Botho Schacht entfernt und 80m unter dem Flözniveau der Botho Zeche .Bei der Auffahrung im Jahre 1862 wurde das Flöz bereits nach 183m angetroffen, bedeutend früher als erwartet und dann noch an der Friste und nicht wie ursprünglich gedacht, an der Sohle. Währe das Mundloch auch nur einige Meter tiefer angesetzt worden, man hätte seiner Zeit das Flöz nur schwerlich gefunden. Bei einer gesamt Länge von etwa 970 m durchörtert der Anna Stollen noch einige Verwerfungen, die das Flöz staffelförmig zerbrechen. Da sich der Anna Stollen in einer Mulde befindet, deren Achse etwas westlich von diesem verläuft, nahm die Kohlenqualität nach ca. 90m beiderseits des Stollens soweit ab, das diese nicht mehr bauwürdig war. Das Flöz im Anna Stollen Fällt mit 7° nach Westen ein und zeigt die typische Dreiteilung der Südharzer Kohlevorkommen. Das Flöz hatte eine durchschnittliche Mächtigkeit von 1,2 m, maximal ca. 3,0m, wovon aber durchschnittlich nur 78cm Kohle war. 1866 wurden von 56 Bergleuten 189116 Scheffel Steinkohle gefördert, das sind nach heutigen Maßen etwa 9000t, womit auch der Höhepunkt der Förderung erreicht war. Im Jahre 1890 arbeiteten nur noch 13 Bergleute im Anna Stollen. Von diesen wurde unter gefährlichen Bedingungen am Ende des Stollens nach abbauwürdiger Kohle gesucht. Von der damaligen berg Polizei wurde angeordnet, das in diesen Bereichen, mindestens 1,5m vorgebohrt werden müsse, da man mit Wassereinbrüchen aus den abgesoffenen Bauen der Botho Zeche rechnen könne. Diese Befürchtung wurde am 28.9.1890 war, während des Vorbohrens wurde der sogenannte Wassersack der Botho Zeche erreicht. Das Bohrgestänge wurde aus dem Bohrloch gerissen und der ganze Stoß gab nach. Da sich alle Kumpel am Ende des Stollens befanden, gelang es allen rechtzeitig höher gelegen Stellen zu erreichen um dem Wasser zu entkommen. Aus dem Stollenmundloch, lief wie die Hildesheimer Zeitung berichtet "zwei Tage lang ein böses Wasser was alle Fische in den Bächen und Flüssen bis hinter Nordhausen tötete. Die Fischzucht in der goldenen Aue wurde auf Jahre Geschädigt. Alle Bergleute wurden gerettet." Nach dem das Wasser aus den oberen Bauen abgelaufen war, flüchtet die Kumpel durch die alten Baue der Botho Zeche in Richtung Botho Schacht. Der Bergmann Louis Schuhmann hatte früher dort gearbeitet und kannte den Weg zum Botho Schacht. Über den Morschen Ausbau im tonnlägigen Schacht gelang es allen auszufahren. Dieses Ereignis und die immer schwieriger werdende Förderung sowie fehlender Absatz zwang die Wernigeröder Bergbauadministration die Grube am 11.07.1894 zu schließen. Alle Bergleute wurden in gräfliche Steinbrüche übernommen.

Das Sülzhayner Steinkohlenbergwerk

Nach mehren erfolglosen Schürfversuchen, durch den Sülzhayner Bergmann Heinrich Bischoff, gelang es diesem, im Sommer1866 am Schulzenborn, ein Steinkohlenflöz von ca. 1m Mächtigkeit zu erbohren. Bohrtabelle Der Fundpunkt wurde am 28.11.1866 als Mutung, mit dem Namen "Sülzhayner Steinkohlen Bergwerk" bestätigt und es wurde ein Grubenfeld von 500000Quadratlachter verliehen. Am 16.01.1867 wurde die Gewerkschaft des Sülzhayner Steinkohlenbergwerkes gegründet.

Der Gewerkschaft gehörten an:

  • der Bergmann Heinrich Bischoff mit 18 Kuxe
  • der Bergmann Friedrich Bischoff mit 6 Kuxe
  • dessen Sohn August Bischoff mit 4 Kuxe
  • der Ökonom Friedrich Blauwitz mit 16 Kuxe
    (alle aus Sülzhayn)
  • der Bürgermeister Baumgarten zu Ellrich mit 8 Kuxe
  • der Fabrikant Friedrich Schmidt zu Ellrich mit 8 Kuxe
  • der Zimmermeister Andreas Pfarre zu Ellrich mit 4 Kuxe
  • der Apotheker Friedrich Blume aus Barsinghausen, jetzt zu Ellrich mit 64 Kuxe.
……gesamt : 128 Kuxe

Im Jahr 1868 wurde die Zahl der Kuxe auf 1000 erhöht. Für jeden Gewerke erhöhte sich die Anzahl der Kuxe um den Faktor 5, das entspricht 640 Kuxe. Die restlichen 360 Kuxe sollten für 50 Thaler pro Kux verkauft werden. Diese wurden vom Bergingeneur Recknagel aus Nordhausen und dem Hamburger Kaufmann Laski erworben. Laski wurde Hauptgewerke der Grube und betrieb diese bis zu seinem Tode 1894? alleine.

Halde des Karl-Martin Schachtes

Abb.007 Halde des Karl-Martin Schachtes

Im Jahre 1867 wurde der Karl- Martin Schacht des Sülzhayner Steinkohlenbergwerkes abgeteuft. Er erreichte bei einer Teufe von 42,5m das Kohleflöz, welches mit einer Mächtigkeit von 1,5m angetroffen wurde. Nach Weiteren Erkundungen der Lagerstätte, stellte man fest, das, dass Flöz von schlechter Beschaffenheit war, außerdem war mit starken Wasserzuflüssen zu kämpfen. Deshalb wurde zur Wasserhaltung eine kleine Pumpenkunst eingerichtet. Da der Sommer 1867 sehr trocken war und der darauf folgende Winter kaum Schnee brachte, kam die Kunst 1868 zu Stillstand. Die Gewerkschaft kaufte daraufhin eine Dampfmaschine von 1,5 PS Leistung. Diese reichte jedoch nicht aus um alle Wässer zu heben und der Schacht soff ab. Da von Anfang an ein Stollen, analog dem Anna Stollen, geplant war, aber aus Kostengründen hinter dem Schacht zurückgestellt wurde, kam jetzt dieses Vorhaben zum tragen. 63,8 Meter unter der Hängebank des Karl- Martin- Schachtes und ca. 740 m von Diesem entfernt wurde der Stollen, unter dem Namen König- Wilhelm- Stollen angelegt. Die Kosten der Auffahrung beliefen sich auf 12047 Thaler und 22 ½ Groschen. Da zur damaligen Zeit über den Geologischenbau der Kohlelagerstätte noch weitgehend Unklarheit herrschte, wurde der König-Wilhelm-Stollen in der gleichen treichrichtung wie der Anna-Stollen aufgefahren, was sich als großer Fehler erweisen sollte. Den Berechnungen nach, sollte der Stollen das Flöz bei ca.650m aus dem Hangenden erreichen, was aber bei 700m noch nicht der Fall war. Da aber sicher war, das der Stollen im Hangenden angelegt war, vermutete man ,das ,dass Flöz doch tiefer als angenommen liegt, deshalb wurde bei Meter 440 des Stollen ein Bohrloch niedergebracht, welches bei einer Teufe von 60m eingestellt wurde, ohne das Flöz zu finden. Der Stollen wurde trotzdem bis zum Karl-Martin-Schacht vorgetrieben. Von dort wurden Querschläge nach Osten und in westlicher Richtung vorgetrieben, welche in östlicher Richtung sehr schnell in die Vertaubung des Flözes fuhren. Dagegen fand man nach Westen hin ein Kohleflöz von bauwürdiger Qualität. Da, die Flöz führende Kohlemulde im Sülzhayner Steinkohlen Bergwerk ein anderes Fallen und Streichen als in den anderen Kohlegruben dieser Gegend hat, traf man mit den König-Wilhelm-Stollen gerade noch den Rand dieser Mulde. Die Kohlequalität im Sülzhayner Werk erwies sich auf Dauer schlechter als in den anderen Gruben, was den Absatz der geförderten Kohle zusätzlich erschwerte, auch hatte man hier mit Geologischen Problemen zukämpfen. Im Jahre 1893 wurden von nur 4 Arbeitern Untertage und von 2 Arbeitern Übertage etwa 418 t Kohle gefördert aber nur 73t verkauft. Der Bestand an Kohle zum verkauf betrug bereits 455t. Eine Tonne Steinkohle wurde für 6,90 Reichsmark verkauft, das bedeutet, das die Grube für 2884 RM Kohle verkauft hat. Zu all diesen Problemen kam im Jahr 1894 der Einsturz des Karl-Martin- Schachtes, welcher bis dahin als Wetterschacht diente, zu allen Überfluß verunglückte der Hamburger Kaufmann und Geldgerber der Grube, J.M. Laski mit seiner Familie auf See tödlich. Damit war das Ende der Steinkohlenförderung in Sülzhayn fürs erste besiegelt. In der Krise nach dem ersten Weltkrieg kam es zu Bestrebungen zur Wiederaufnahme des Steinkohlenbergbaus am Südharz. Für das Sülzhayner Steinkohlenbergwerk interessierte sich eine Firma Giebeler und Söhne aus Siegen. Es wurde 1920 mit der Aufwältigung des König-Wilhelm- Stollens und des Karl-Martin-Schachtes begonnen. Die Aufwältigung des Karl-Martin- Schachtes wurde nach erfolglosem Versuch eingestellt ( starke Wasser Zuflüsse).

Schachtkopf des Luftschachtes von 1920

Abb.008 Schachtkopf des Luftschachtes von 1920

Nach der Instandsetzung des König- Wilhelm- Stollens und des Ouerschlages, wurde aufgrund von Wettermangel, am Ende des Stollens ein Bohrloch niedergebracht, welches zur Wetterhaltung dienen sollte, aber die Wettermenge reichte nicht aus um die Grube ausreichend zu bewettern. Deshalb wurde auf diesem Bohrloch ein Schacht geteuft, welcher über eine 12m lange südliche Strecke mit dem Überhauen am Ende des König-Wilhelm- Stollen verbunden ist. 1921 wurden von einer 30 Mann starken Belegschaft der Grube 1164 t Steinkohle gefördert, wovon aber nur 582 t verkauft werden konnten.

Zechenhaus vom Sülzhayner Steinkohlenbergwerk

Abb.009 Zechenhaus vom Sülzhayner Steinkohlenbergwerk

Nach Fertigstellung des Zechenhauses mit Baderäumen für Beamte und Arbeiter, des Magazins und eines Sanitätsraumes, im Jahre 1923, wurde ein neuer 100 PS starker Glühkopfmotor zum betrieb des neue Kompressors angeschafft. Außerdem wurde das Haus für den Steiger fertig und von diesem bezogen. Durch ständige Verschlechterung der Absatzlage, beginnende Erschöpfung der Kohlevorräte sowie akuter Probleme mit der Bewetterung der Grube im Jahre 1924 kam es am 30.06.1925 zur Einstellung des Betriebes auf dem Sülzhayner Steinkohlenbergwerk. Alle Maschinen und Ausrüstungen wurden versteigert.

Steigerwohnung von 1923

Abb.010 Steigerwohnung von 1923

An diesem Tag wurde ein Kapitel Südharzer- Bergbaugeschichte, wohl für immer geschlossen.